Luftsportvereinigung Altkreis Isenhagen e.V.

Der Pfingstwettbewerb aus Sicht eines Teilnehmers

 

Willi Dobe vom SCU Uetersen hat 2004 erstmalig an unserem Pfingstwettbwerb teilgenommen. Nachfolgend seine Eindrücke (an dieser Stelle vielen Dank an Willi für die Bereitstellung des Artikels).

Und weiter!

Die Wettbewerbsfliegerei gilt als die Königsdisziplin des sportlichen Vergleichs im Segelflug. Dass sie aber auch als Einstieg in die Streckenfliegerei taugt, davon kann man sich jedes Jahr an Himmelfahrt und Pfingsten auf dem Segelfluggelände Schnuckenheide-Repke überzeugen.

Der klassische Weg der segelfliegerischen Weiterbildung nach dem Erhalt des Luftfahrerscheins sieht in etwas so aus:

  1. Fliege Deine ersten 300 km
  2. Fliege Deine ersten 300 km mit ordentlicher Schnittgeschwindigkeit
  3. Fliege einen zentralen Wettbewerb mit

Da die Uetersener SegelfliegerInnen durch die Küsten- und Elbnähe nicht gerade mit überragenden Streckenflugmöglichkeiten gesegnet und zudem mit dem aus-gedehnten Hamburger Luftraum bestraft sind, kommen selbst fähige FliegerInnen oft nicht weiter, denn für [1] muss man am ersten guten Tag des Jahres Zeit haben und für [2] an dem anderen! Aber warum sollte man die Reihenfolge nicht einfach mal umdrehen?

Eine gute Gelegenheit, dieser Frage nachzugehen, stellt das Pfingstvergleichs-fliegen in Repke dar. Dieser Wettbewerb unterscheidet sich in ein paar Details von anderen Wettbewerben.

  • Es wird in zwei Konkurrenzen gestartet. In der B-Konkurrenz fliegen die Einsteiger. In der A-Konkurrenz sammeln sich die Aufsteiger und Profis. Dadurch ist das Leistungsniveau in den beiden Gruppen homogener und die Tagesaufgaben werden für Einsteiger machbarer.
  • Geflogen wird an den beiden verlängerten Wochenenden Himmelfahrt und Pfingsten. Man kommt daher mit zwei Urlaubstagen für acht mögliche Wertungstage aus. Anderswo muss man mindestens zehn Urlaubstage investieren.
  • Pro Flugzeug können mehrere PilotInnen gemeldet werden, so dass es keine Aufteilung in fliegendes und rückholendes Personal gibt. Dadurch lässt sich ein motiviertes Team leichter zusammenstellen, denn jedeR darf mal ran.
  • Die Meldegebühr beträgt € 25,00, was deutlich unter den Gebühren anderer Wettbewerbe liegt, und es wird an der Winde statt im Flugzeugschlepp gestartet, so dass der Geldbeutel insgesamt sehr geschont wird.
  • Es ist kein Qualifikationswettbewerb, über den man sich für überregionale Wettbewerbe qualifizieren kann. Dementsprechend ungezwungen ist die Atmosphäre.

     

Diese angenehmen Rahmenbedingungen sollen aber nicht den Eindruck entstehen lassen, dass Repke in sportlicher Hinsicht Nichts zu bieten hätte. Im Gegenteil: durch den Verzicht auf die ansonsten beliebte psychologische Kriegsführung kommt es hier nur darauf an, dass man gut fliegt!

Wettbewerbstypisch beginnt der Tag mit einem ordentlichen Briefing. Der Sportleiter Lothar Leo Dittmer informiert über die aktuelle Wetterlage, verkündet der gespannten Meute die Tagesaufgabe und gibt schließlich den Zeitpunkt für die Startbereitschaft bekannt.

Jetzt wird es ein wenig unruhig, denn die Zeit bis zum ersten Start ist nicht üppig. Die Flieger müssen aufgerüstet und unter Umständen mit Wasser betankt werden, Pilotenver- und entsorgung muss organisiert werden, die grundsätzliche Tagestaktik muss mit dem Team-Partner abgesprochen werden.

Wer nicht pünktlich on-the-grid ist, erntet unter Umständen einen bösen Blick der Wettbewerbs-leitung und landet gemäß Wett-bewerbsordnung in der letzten Startreihe. Vielleicht war das aber auch Kalkül, um nicht bei noch schwacher Thermik starten und dann herumpaddeln zu müssen?

Trotz Windenbetrieb sind die 30 Flugzeuge der beiden Konkurrenzen nach etwas mehr als einer Stunde(!) in der Luft und die traumhaften Bedingungen der Lüneburger Heide bringen einen schnell nach oben ("Die Außerirdischen kommen! Ich bin in ihren Traktorstrahl geraten!"). Kaum an der Basis angekommen bekommt man einen Vorgeschmack auf das vor einem liegende Luftrennen: "Die Lima-Lima wird versuchen sich an uns dranzuhängen. Da müssen wir uns was einfallen lassen..."

Eine Viertelstunde nach dem letzten Windenschlepp wird die Startlinie per Funk freigegeben. Die einen braten gleich los, weil sie vor der für den Nachmittag angekündigten Blauthermik zu Hause sein wollen, die anderen lungern noch 20 Minuten überm Platz herum, um eine Verbesserung der Thermik abzuwarten und dann höhere Schnittgeschwindigkeiten zu fliegen.

Wie auch immer die Starttaktik aussieht: nach der Abflug-meldung per Funk kann der rechte Arm ersteinmal nicht lang genug sein. Anders als bei selbst gestellten Aufgaben ist das Geschwindigkeitsniveau hoch. Anfangs denkt man noch "...na das wird doch mit einem Steckschuß im Acker enden!", aber spätestens nach dem zweiten Bart und dem dritten Gemaule des Team-Partners ("Lass den Kram stehen! Das kriegen wir auch im Geradeausflug. Und weiter!") setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Sportleiter sein Revier und die Leistungsfähigkeit der Flugzeuge gut genug kennt, um

der Wetterlage angemessene Aufgabe zu stellen.

Auf der Strecke lernt man weiter.

  • Wasserballast ist unglaublich nützlich beim schnellen Vorankommen, fürchterlich hinderlich beim engen Kurbeln und ersetzt auch 20kg Pilotenmasse, so dass sich das andere Team-Flugzeug mit dem schwereren Piloten nicht zur uneinholbaren Gleitbombe entwickelt.
  • Die Gedanken an die Unannehmlichkeiten einer Außenlandung sind auszublenden. Frei nach dem Motto "Die Heide ist ein Acker" fliegt man auch noch in den unteren Stockwerken die Höhe unbeschwert in Kursrichtung ab, statt zurück zu einem sicheren Flugplatz zu gleiten: "Klar könnten wir umdrehen, aber da wollen wir doch gar nicht hin!"
  • Der Bordelektronik muss man sich wertungstechnisch auf Gedeih&Verderb anvertrauen. Nichts ist schmerzhafter, als nach 30 Minuten Endanflug mit Geschwindigkeiten zum Teil jenseits der 200km/h in 400m Höhe die Ziellinie zu überfliegen. Verschenkte Punkte!

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Pfingstvergleichsfliegen in Repke eine ideale Möglichkeit darstellt unter einer guten Wettbewerbsleitung den fliegerischen Horizont zu erweitern, die eigenen Möglichkeiten auszuloten und sehr viel über Streckensegelflug zu lernen.

To be continued...

 Copyright (c) Segelflug-Club Uetersen e.V., 2004

 

 


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